Besprechungen von „Sarah bei den Wölfen“, Gedichte, Suhrkamp Verlag

 

“... Sie hat eine beängstigende intime Beziehung zur eigenen Kindheit, wünscht ihren Puppen “Gute Nacht”: “und wenn ich / gespielt habe / lege ich die Puppen schlafen / in Liebe // und weil sie so bitten / erzähle ich noch // die Geschichte von meinem Mann / und den Kindern // und wenn wir lange genug / geweint haben / schlafe auch ich.”

Was soll “man” dazu sagen? Das Gedicht ist nach meinem Ermessen fast unheimlich gut, es ist besser als (fast) alles, was in bundesdeutschem Bereich in Sachen Poeterey verbrochen wird.

...Angela Sommer: Vorsicht ist geboten? Nein. Ihre Kind- und Tierzärtlichkeit bezeugt, dass wir nichts zu befürchten haben - außer: militante Zärtlichkeit. Und wenn ich noch ein sehr subjektives persönliches Wort beifügen darf: Mich hat seit, sagen wir mal, einem Jahrzehnt kein Gedichtbuch so beeindruckt wie Angela Sommers “Sarah bei den Wölfen”. In diesem Band findet sich auch das Gedicht “Abschied”: “ich vergass / ich liess liegen / es ging in die Brüche / wurde begraben / zuviel”. Ob das gut sei? Hauptsache: Es ist da.

-Dieter Fringeli: “Angela Sommer und die sonstigen Dinge des Lebens“, Baseler Zeitung

 

Angela Sommers Gedichte sind kurze, meist bissig-phantastische Schreckbilder, z.B.:

“Der Gärtner”: “unbestritten hat er / den schönsten Apfelbaum / mit den saftigsten Früchten // aber er hat auch / das beste Minenfeld // und am meisten / Geduld // wenn er wartet / auf hungrige Kinder”.

...Es zeigt sich, dass an der grimmigen Veränderung nicht Angela Sommers kranke Phantasie schuld ist, sondern unsere Zeit, an deren Wirklichkeiten sie krankt.

... Hier ist das Grauenhafte dazu da, Protest und Sehnsucht nach etwas Besserem wachzurufen. Es ist Hässlichkeit um der Schönheit willen, Zynismus um der Liebe willen. Unpolitisch?? ...

-Erich Fried: “Neuer Innerlichkeit”

 

“Angela Sommers Sprache ist einfach. Keinerlei Kraftaufwand wird für alle kräfte-verzehrenden Erlebnisse, Erinnerungen betrieben. Aus der Spannung zwischen Identifikation und intellektueller Distanz entsteht so das Negativbild einer Harmonie.”

-Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main