Besprechungen „Schokolowski", Serie, C. Bertelsmann Verlag

 

Schokolowski Buchserie

 

Angela Sommer-Bodenburg liegt - wie wohl kaum noch anderen SchriftstellerInnen das Schreiben lebenslustiger, unbeschwerter Texte. Sie kennt die Sprache ihrer Protagonisten genauestens. Auch Schokolowski ist so eine sprachgenau erfundene Person, bloß dass sie ein Bernhardiner und kein Kind ist. Dieser sprechende Hund wirkt dermaßen lebensecht, dass man sich unwillkürlich fragt, ob es nicht wirklich sprechende Hunde gibt.

Das Verdienst der Autorin ist es, eine alltäglich-banale Story - wie kriege ich meine Eltern dazu, mir einen Hund zu schenken? - so unverkrampft-fröhlich zu schreiben, dass man sich wirklich fragt: warum eigentlich nicht? (Hoffentlich bekommen meine Kinder das Buch nicht in die Hand. Und dann noch ein Bernhardiner!)

Dazu kommt, dass Angela Sommer-Bodenburg lediglich mit zwei Antropomorphismen arbeitet: der Sprachfähigkeit und einer unglaublichen Gier auf Trüffel und Schokolade (daher der Name).

Schokolowski ist so unverfroren schokoladensüchtig, dass er alle höheren (antropogene) Ideale darüber vergisst. Was einen nicht unwesentlichen Reiz der Erzählung ausmacht.

-C.J. Harms, Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien in der GEW

 

 

http://www.dresdnerblaettl.de/Ausgaben/00/05/0401.htm

 

Dresdner Blätt´l * 11. Jahrgang

Nummer 5 vom 24. März 2000

SCHOKOLOWSKI

Tobias und ein sprechender Bernhardiner – spannende Unterhaltung nicht nur für Kinder

Als ich bei meiner Tochter das erste Mal ein Buch mit dem Titel „Schokolowski" auf dem Schreibtisch sah, dachte ich: Wieder so ein verkitschtes Kinder-Hunde-Freundschafts-Buch. Die große Tierliebe, unser Hund – ein richtiges Familienmitglied ... Ich mag diese Bücher nicht, in denen Tiere und ihr Wesen vermenschlicht werden.

Mein Vorurteil schien sich zu bestätigen: Schokolowski ist ein Bernhardiner mit brombeerfarbenen Fell und einer verrückten, hochgeschobenen rosa Sonnenbrille. Und er frisst Schokolade, Schokoladenkuchen, Nugatkekse usw., am liebsten aber Schokoladen-Trüffel. Dekadenz hoch drei!

Nein, gar nicht doof, behauptete meine Tochter hartnäckig. Also las ich, um mein Urteil untermauern zu können.

Jahr für Jahr steht auf Tobis Geburtstagswunschzettel ein Hund, ein richtiger lebendiger. Der jährlich geschenkte Plüschhund verstärkt noch diesen Wunsch. An Tobis zehntem Geburtstag - wieder ist der Lieblingswunsch nicht in Erfüllung gegangen - spricht ihn eben jener seltsame Bernhardiner auf dem Schulweg an, denn er hat die Trüffel in Tobis Tasche gewittert.

Das brombeerfarbene Fell, die Fähigkeit zu sprechen, ein großes Allgemeinwissen (infolge Fernsehzwang im Hundezwinger), ein Alter von über dreißig Jahren und eben kaum zu stillender Heißhunger auf Schokolade und Trüffel sind seine Merkmale. Das sind die Folgen der Versuche von Knüll und Pinschermann, die an ihm ihre lebensverlängernde Medikamente ausprobiert hatten und deren Hundeklinik er gerade entwischt ist.

Interessant wird das Buch durch das genau beschriebene soziale Milieu, in dem Tobi lebt. Da ist zuerst seine große, fünfzehnjährige Schwester Jule, mit ständig wechselnden Verehrern. Sie denkt ständig positiv und ist in der Umweltgruppe aktiv. Bei allen Konkurrenzen zwischen Geschwistern, unterstützt sie Tobi. Sie erfährt als erste, dass Schokolowski sprechen kann. Der Vater hat viel Arbeit, ist oft unterwegs, die Mutter ist Hausfrau. Eine typisch bundesdeutsche Familie. Die Eltern wollen den Hund natürlich zuerst nicht, lassen sich dann aber rumkriegen.

Wichtig sind noch die übergewichtige Inge Siebenstiefel, ein Jahr älter und total verknallt in Tobi - der kann sie absolut nicht leiden - und deren ebenfalls übergewichtige, von sich selbst eingenommene und alles besser wissende Mutter. Beide haben natürlich auch einen Hund - einen Pudel. Mit viel Ironie erfährt man, was doch nicht so alles wegen der guten Nachbarschaft tut oder unterlässt.

Den Reiz der Bücher macht der aus Tobis Sicht beschrieben Alltag mit seinen großen und kleinen Problemen aus. Verständlich sind die Probleme, bis hin zum Wunsch, fortzugehen und nicht wiederzukommen.

Zur Situationskomik tragen auch Schokolowskis Kommentare bei, die er allenthalben abgibt. Da wir Erwachsenen ja wissen, dass ein Hund nicht sprechen kann, vermuten Tobis Eltern, dass dieser neuerdings Bauchreden könne.

Angela Sommer-Bodenberg war viele Jahre Unterstufen-Lehrerin, bevor sie mit dem Schreiben anfing. Ihre Erfahrung und ihr Wissen um die Probleme der Heranwachsenden spürt man. Aber sie belehrt an keiner Stelle. Sie erzählt, abwechselnd unterhaltend und spannend. Und man hat die ganze Zeit das Gefühl: Ja, so ist es.

Nachdem ich das erste Buch gelesen hatte, griff ich zum zweiten. Inzwischen habe ich alle fünf gelesen. Manchmal musste ich - allein im Zimmer - laut lachen. Zur Verwunderung der anderen Familienmitglieder.

Mein oben beschriebenes Vorurteil habe ich revidiert. Ich kann allen kleinen Lesern um die zehn Jahre aber auch den Eltern und Großeltern die Geschichten um Tobi und Schokolowski wärmstens empfehlen.

Dr. Bernd Möller